UNSER KONZEPT BASIERT AUS VIER ELEMENTEN:

  • Ganzheitliches Menschen- und Weltbild

  • Selbstbestimmtes Lernen in Gemeinschaft

  • Natur/Wald/’Wildnis‘ als Erfahrungsraum

  • Eine neue Kultur des Miteinanders: verschiedene Friedenspraktiken

NACHHALTIG

In einer Kultur des Vertrauens spielen/arbeiten/lernen unsere SchülerInnen selbstbestimmt und in ihrem eigenen Rhythmus. Nur selbstbestimmtes, vernetztes Lernen ist natürlich und ermöglicht die Entstehung eines nachhaltigen Wissensnetzes. Nachhaltiges, natürliches Lernen geht nur mit Freude und Begeisterung!

GEMEINSAM

Lernen findet immer im Austausch mit anderen Menschen statt. Verschiedene Fähigkeiten, Talente und Wissensstände kommen zusammen, ergänzen sich, ‚lehren‘ sich gegenseitig und lassen eine positive Fehlerkultur entstehen. Nur wer keine Angst vor Fehlern hat, kann kreativ werden!

GLEICHWERTIG

Eine lebendige Gemeinschaft von gleichwertigen, sich selbst erziehenden Menschen allen Alters, ermöglicht unseren SchülerInnen ihr Potenzial bestmöglich zu entfalten.

INDIVIDUELL

Statt in vorgegebenen Klassen können sich unsere SchülerInnen nach ihrem individuellen Interesse zusammen finden und projektorientiert arbeiten. Workshops, Kurse, Praktika, Ausflüge etc. bieten verschiedene Formen um für Jeden und Jede die passende Form zu finden.

LANGSAM

Der Schulnahme SCOLÉ ist unsere Ableitung vom altgriechischen Scholé, dem ethymologischen Ursprung von Schule, und bedeutet Muße. An der SCOLÉ können die SchülerInnen entschleunigt und in ihrem eigenen Rhythmus den Tag verbringen, ohne Stundenplan. Eine Gleitzeit am Morgen, gefolgt von einem gemeinsamen Morgenkreis und einem Abschlusskreis geben einen gemeinschaftsbildenden Rahmen. Alle weiteren Tagespunkte (z.B. Kurse) werden gemäß den Bedürfnissen der Beteiligten verabredet.

NATÜRLICH

Die Natur stellt das vielseitigste Lernumfeld dar, bietet natürliche Grenzerfahrungen und lädt zu viel Bewegung ein. Sie fördert die Kreativität und trägt maßgeblich zu unserer physischen und psychischen Gesundheit bei. Nur wer eine innige Beziehung zu Natur entwickelt hat, kann achtsam und wertschätzend mit ihr umgehen.

RESPEKTVOLL

Von der Erziehung zur Beziehung: Kleine und große Menschen erziehen sich selbst, lernen sich im Spiegel des Anderen und der Gemeinschaft kennen und pflegen die ‚innere Arbeit‘. Der achtsame und gewaltfreie Umgang miteinander ist ein täglicher Übungsweg.

GANZHEITLICH

Alles ist miteinander verbunden. Wir beziehen die geistig-spirituelle Seite der Welt und der Menschen bewusst mit ein. Die Menschenkunde von Rudolf Steiner ist uns dabei eine wichtige Inspirationsquelle. Wir sind aber auch für andere Sichtweisen offen.

KREATIV

Viel Kunst, Handwerk und Musik, vorgelebt von „Tätigen Erwachsenen“, runden unser ganzheitliches Konzept ab.

„Wollen wir in Frieden leben, muss der Frieden aus uns selbst kommen.“ Jean-Jacques Rousseau

Wir stützen unser Menschenbild auf das integral-evolutionäre Paradigma, wie es beispielsweise von Frederic Laloux1 beschrieben wird.

Dieses Paradigma bietet den Blick auf die gesamte Menschheitsentwicklung. Es zeigt auf, wie die Menschheit sich geschichtlich-evolutionär entwickelt hat und was die Zukunftsaufgaben der Menschheit sein werden. Wir favorisieren dieses humanistische Menschenbild, weil es angesichts der immensen Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht, einen Paradigmenwechsel einläutet, der uns befähigt, mit diesen Herausforderungen innovativ umzugehen. Er besteht in einer neuen Form des Denkens und Seins und löst das alte Paradigma des rein naturwissenschaftlichen-materialistischen Denkens ab, in dem der Mensch sich als getrennt von seiner Umgebung und der Natur sieht und welches letztendlich die Herausforderungen mit verursacht hat. Im Folgenden werden die einzelnen Werte und Grundannahmen ausgeführt.

Angstfreiheit: der Fülle des Lebens vertrauen

Es gibt zwei grundlegende Wege, das Leben zu leben, entweder aus dem Gefühl von Angst und Mangel oder aus dem Vertrauen und der Fülle. Wir entscheiden uns für den zweiten. Wir vertrauen in die Entwicklungskräfte eines jeden Menschen – jeder Mensch will lernen.

Angst und Mangel führen immer zu kontrollierenden Strukturen, Kriege werden aus Gier und Angst geführt. In unserer Schule verzichten wir auf kontrollierende Strukturen. Wir sehen jede Situation, auch unerwartete und herausfordernde, als Lernfeld und Möglichkeit des Wachsens an.

 

Innere Stimmigkeit als Kompass

Wir wünschen unseren Kindern, dass sie sich zu ‚runden‘ und gesunden Persönlichkeiten entwickeln, die ihr volles Potential entfalten können, die ihre innere Stimme hören und ihr vertrauen. Wir möchten, dass sie lernen, ihre Entscheidungen achtsam und verantwortungsvoll für sich selbst und zum Wohle der Gemeinschaft zu treffen. Dabei soll es weniger um abstrakte Normen oder Prinzip von Effektivität und Erfolg gehen, sondern um das Gefühl von Integrität und Authentizität, um tiefe innere Überzeugungen. Die SchülerInnen werden in diesem Prozess von Erwachsenen unterstützt, die es sich ebenso zur Aufgabe gemacht haben, auf ihren inneren Kompass zu hören, die den tiefen Wunsch verspüren, dem Leben zu dienen und ihre Entscheidungen daran ausrichten.

 

Das Leben als Reise der Entfaltung

„Auf der integralen Stufe wird das Leben als eine persönliche und kollektive Reise zu unserer wahren Natur gesehen.“ 2 Jeder Mensch bringt eine einzigartige Gabe mit auf die Welt, die es zu finden und zu entwickeln gilt (Potentialentfaltung). Demnach ist der Mensch keine biologische Maschine und auch kein leeres Gefäß, das gefüllt werden muss. Vielmehr geht es uns darum, in der Schule einen Frei-Raum zu schaffen, in dem Menschen sich ganz nach ihren individuellen Fähigkeiten, Talenten und Interessen selbstgewählten Lerngegenständen zuwenden können, ohne dabei von außen durch vorgegebene Inhalte und zeitlich-räumliche Strukturen in ihrer Potentialentfaltung und Individualität behindert zu werden.

 

Auf Stärken aufbauen

Wenn sich Menschen immer nach dem richten müssen, was äußerlich von ihnen erwartet wird, erleben sie sich unweigerlich als fehlerhaft und ungenügend. Ein Mensch verschwendet dann seine Energien damit, den Erwartungen zu entsprechen und den Mangel auszugleichen. Wir richten deshalb unsere Aufmerksamkeit darauf, welche Stärken jeder in sich trägt und bringen allen Wertschätzung statt Beurteilung entgegen. In einer wertschätzenden Atmosphäre fällt es jedem Menschen leichter, auch mit Schwierigkeiten im Lernprozess umzugehen, weil er sich grundsätzlich als „richtig“ und angenommen erfährt.

 

Angemessener Umgang mit Widrigkeiten

Rückschläge, Fehler und Hindernisse wollen wir nicht vermeiden oder auf sie mit Wut, Schuld oder Scham reagieren, sondern sie als Wegweiser verstehen, die uns Aufschluss über uns selbst und die Welt geben. Sie sind Lernaufgaben, an denen wir wachsen und uns weiter entwickeln können. So werden sie zu spannenden Forschungsfeldern und verlieren ihre Bedrohlichkeit.

 

Weisheit jenseits von Rationalität

Die integrale Perspektive findet Weisheit in vielen Bereichen und stellt keinen Bereich über den anderen. Entscheidungen können sowohl auf sachlichen Analysen basieren, wie auf dem, was gefühlt und intuiert wird. Wir fördern deshalb an unserer Schule alle Bereiche des Menschen. Die integrale Weltsicht versucht außerdem, das „Entweder-oder-Denken“ aufzulösen zugunsten eines „Sowohl-als-auch-Denkens“. Verschiedene Perspektiven, auch scheinbar gegensätzliche, ergänzen sich zu einem Ganzen. Dies üben wir sowohl in der Entscheidungsfindung in Gruppenprozessen nach der soziokratischen Kreismethode als auch durch einen Konfliktlösungsprozess basierend auf der Gewaltfreien Kommunikation.

 

Die Suche nach Ganzheit in Beziehungen zu sich, anderen und zur Natur

Was für das gesunde Wachstum einer Pflanze der gute Boden ist, ist für das Gelingen von nachhaltiger Entwicklung das, was wir „Tiefe Beziehungen“ nennen. Diese „Tiefen Beziehungen“ braucht ein Mensch mit sich selbst, mit anderen Menschen und mit der Natur. Diese sind der Nährboden für zukünftiges nachhaltiges und friedvolles Handeln in der Welt. Nur wer sich verbunden fühlt, entwickelt daraus inneren Frieden und den tiefen, moralischen Wunsch etwas friedvoll zu schützen und zu unterstützen.

  • Tiefe Beziehung mit sich selbst

Eine tiefe Beziehung zu sich selbst ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit. Wir sind kulturell-historisch davon geprägt, das Gefühle und Bedürfnisse in unserer Gesellschaft einen untergeordneten Stellenwert hatten. Wer jedoch keine Empathie erfahren hat, kann auch keine geben. Es ist deshalb dringend nötig die Beziehung zu uns selbst wieder aufzunehmen, tief sitzende gesellschaftliche Traumata zu heilen und Frieden in uns selbst herzustellen, damit wir diesen in die Welt tragen können.

  • Tiefe Beziehungen mit anderen Menschen

Für einen gesellschaftlichen Wandel im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist eine neue Art der Kommunikation notwendig. Z.B. zeigt die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg Wege auf, durch empathisches Zuhören und gewaltfreie Sprache, das Lebendige/die göttliche Energie im Anderen wieder wahrzunehmen. Wenn wir es schaffen miteinander Gespräche zu führen, die unsere Gefühle und Bedürfnisse zum Inhalt haben, und wenn wir lernen, unsere Bedürfnisse als Wünsche zu äußern und uns dabei offen und verletzlich zu zeigen, dann entsteht eine gemeinsame Sprache. Dann können auch Konflikte gewaltfrei und respektvoll gelöst werden und zu tieferen Beziehungen führen.

  • Tiefe Beziehung mit der Natur

Ein Mensch, der mit allen Sinnen die Natur erlebt, sich selbst in ihr und sie als einen Teil von sich erfährt, der die Natur als einen komplexen, geheimnisvollen und nachhaltigen Lebensraum er-lebt, wird eine tiefe Beziehung zu ihr eingehen. Daraus wiederum entsteht ein großes, weil emotionales Bedürfnis, die Natur zu schützen und zu erhalten (s. Kapitel „Natur“).

1Laloux 2015, S. 43 ff
2Lauloux 2015, S. 45

Selbstbestimmtes Lernen in Gemeinschaft

In der Gesellschaft hat Forschung die höchste Anerkennung, warum nicht in der Schule? Es ist in der Tat ein Wunder, dass die modernen Methoden der Ausbildung die heilige Neugier des Forschens noch nicht völlig erstickt haben, denn diese zarte kleine Pflanze bedarf – neben dem Ansporn – hauptsächlich der Freiheit; ohne diese geht sie ohne Zweifel zugrunde.“ (Albert Einstein)

In jedem Mensch ist, anthropologisch, biologisch und seelisch-geistig, eine Kraft, ein intrinsischer Trieb zur individuellen Entwick(e)lung angelegt. Diesen Trieb, diese innere Stimme, gilt es zu schützen und zu fördern.

„Das Kind entwickelt sich aus sich heraus, wenn sein körperliches und seelisches Wohlbefinden gewährleistet ist und es die notwendigen entwicklungsspezifischen Erfahrungen machen kann.“ 1

Entwicklung beinhaltet Lernen. Der Mensch lernt nicht, um Wissen anzuhäufen, sondern um Fähigkeiten zu erlangen, die ihn einerseits autonom werden lassen und andererseits, um Teil einer Gemeinschaft sein zu können. ‚Lebenstüchtig‘ wird man nicht durch das Anreichern von Wissen, sondern durch das Erlangen von Erfahrungen und Fähigkeiten. Der aktive Prozess dahin ist das Lernen. Lernen ist also nichts Passives das durch Be-lern-ungen, bzw. Belehrungen geschehen kann, sondern eine Aktivität, die jeder Mensch selber tun muss und will, wenn die Freude am Lernen nicht verdorben wird.

Auch aus der Neurobiologie weiß man heute, dass das Gehirn nicht für das Faktenlernen gemacht ist. Es lernt vernetzt und legt so ein individuelles Wissensnetz an, das sich stetig erweitert. Lernen ist ein sich fortwährend natürlich weiterentwickelnder Prozess, der jedoch nur nachhaltig wird, wenn er als sinnvoll empfunden wird.

Eine wesentliche Erkenntnis aus der jungen Hirnforschung ist, dass man nur mit Freude und Begeisterung nachhaltig lernen kann. Begeisterung, Freude am Lernen und Leben, Neugierde und Interesse an der Welt, intrinsische Motivation… All dies bestimmt darüber, ob wir ‚lebenslange Lerner‘ bleiben und unsere Erfahrungen nachhaltig und bleibend in unser Wissensnetz integrieren.
Aber dafür braucht es Zeit und Freiheit (Muße). Dafür braucht es das Lauschen auf die eigene innere Stimme, einen achtsamen Umgang mit sich selber. Dafür wiederum braucht ein Mensch die Freiheit seiner Neugier folgen und sich seine Themen selber wählen zu können, so wie sie ihm aus dem Leben heraus begegnen – zu dem Zeitpunkt, zu dem sie auftauchen. 
Anders gesagt, Leben ist Lernen und Lernen ist Leben. Das eine geht nicht ohne das andere. In weiterer Konsequenz bedeutet dies, dass die Freude am Leben und das Gefühl „glücklich zu sein“ eng verbunden sind mit Lernen. Nur wer ‚richtig‘ lernen kann, kann glücklich sein.
Selbstbestimmtes Lernen ist natürlich, gesund und nachhaltig und ermöglicht den Erhalt der natürlichen Neugier und Lernfreude ein Leben lang. 

Längst ist in Vergessenheit geraten, dass der etymologische Ursprung der Schule im altgriechischen Wort ‚Scholé‘ – in der Muße – liegt.“ 1

Unverplante Zeit ohne Ziele und Absichten öffnet den Blick für das, was das Leben uns lehren möchte. Mit Blick auf die Entwicklung von Gehirnmustern ist das absichtslose ‚Herumschweifen‘ eine Voraussetzung, um sich als Mensch den eigenen Gaben entsprechend mit dem Leben zu verbinden. 

Durch diese ‚Trödelei‘ und den ‚Mangel an Lernzielen‘, kann der selbstbestimmte Wissenserwerb extrem zeitaufwändig erscheinen, läuft er doch konträr zu den auf Kurzfristigkeit angelegten Erfordernissen des modernen Lebens. Ein Tagesprogramm oder Lernplan schottet jedoch den Geist von all den Dingen ab, die in jedem Moment um uns herum geschehen.


 „Je schneller man sich bewegt, desto angestrengter sind die Sinne, desto mehr entgeht ihnen, desto mehr Verwirrung müssen sie ertragen oder schönfärben – und desto länger braucht es, den Geist in der Gegenwart von irgendetwas innehalten zu lassen.“

Wenn man jedoch keinem Lernplan folgt, „…tritt die Neugier hervor und führt den Lernprozess an […]. Während des Herumstreifens wartet man einfach, bis das wahre Verlangen, etwas zu lernen, an die Oberfläche tritt“  (aus: „Coyote-Guide“).

An der SCOLÉ bekommen die SchülerInnen den Raum und die Zeit, entschleunigt und mit Muße ‚herumzuschweifen‘, auf ihre Neugier zu warten und zu reagieren. 

„Tätigkeit, die aus der Musse lebt: Ein Glück, das Tun und Sein zur Einheit webt.“ (Carl P. Fröhling)

1 https://freidok.uni-freiburg.de/data/13819

Weder leiten wir Großen die Entwicklung der Kinder an, noch entwickeln sich Kinder einfach aus sich heraus. Menschen entwickeln sich auf der Basis von Beziehungen.“ (H. Renz-Polster)

In familiären Gruppen finden sich die Kinder und LernbegleiterInnen interessengeleitet zusammen. Dabei ist soziales Lernen immer auf selbstverständliche Weise in jeden anderen Lernprozess integriert. Jeder entwickelt auf seinem individuellen Lernweg unterschiedliche Fähigkeiten zu unterschiedlichen Zeiten. Kommen Menschen für eine gemeinsame Tätigkeit zusammen, so lernen sie voneinander und miteinander. „Dieses konstante Zufügen individueller Erfahrungen und Wissen in den kollektiven Kochtopf der Gemeinschaft enthüllt einen der großartigen Vorteile beim Lernen in der Gruppe.“ 1 Jeder steuert seine persönlichen Fähigkeiten bei und erweitert sein eigenes Wissensnetz. So lernen nicht nur die Jüngeren von den Älteren, sondern die Älteren entwickeln einerseits ein Gefühl von sozialer Verantwortung und festigen andererseits ihr eigenes Wissen.
„Das Ausmaß an Lernen und gegenseitiger Unterstützung und Inspiration, die dabei stattfindet, widerstrebt jeder Messung. … Altersmischung ist der erste Schritt in Richtung eines wirklichen Lehrverhältnisses“ 2.

Dabei wird auch bei den Schwächeren oder Langsameren das frühe Trauma vermieden, dass sie ’nun mal für nichts taugen‘. Doch damit wird nicht der gesunde Wettstreit unterbunden, den jedes Kind mit seinen eigenen Kräften austrägt und in dem es täglich seine Sache ein wenig besser als am Tag zuvor machen will“ 3.

Jeder Mensch hat die innere Motivation, von anderen lernen zu wollen, wenn diese etwas zu lehren haben. Die Befriedigung liegt dann im Erlangen von neuen Fähigkeiten. Familiäre, heterogene Gruppen vermeiden, dass Kinder unnötigem Frust ausgesetzt werden und innerlich ‚abschalten‘. Dafür entsteht eine positive Fehlerkultur, die den Raum öffnet für wahre Kreativität

1 Coyote-Guide, S. 51

2 Daniel Greenberg in: „The Sudbury Valley School“

3 Rebeca Wild: „Erziehung zum Sein“, S.50

Das Naturerlebnis bewirkt Glück, Zufriedenheit und Gesundheit. Im Hinblick auf unser Thema (Einsamkeit) ist jedoch von größter Bedeutung, dass sich das Naturerlebnis auch günstig auf den sozialen Zusammenhalt einer Gemeinschaft auswirkt. Menschen werden zu „besseren Menschen“, wenn sie sich in der Natur aufhalten; sie können nicht nur klarer und kreativer denken und sind besser gestimmt sowie langfristig gesünder, sondern sie verhalten sich sogar in moralischer Hinsicht menschlicher in dem Sinne, dass sie sich etwas weniger um sich selbst und etwas mehr um andere kümmern. In der Natur sind ihnen Werte wie Gemeinschaft und Verbundenheit wichtiger und materielle Werte unwichtiger. Dies hat zur Folge, dass es durch das Naturerlebnis nachweislich zu einer Verminderung von Aggressivität, Gewalt und Kriminalität kommt.“ 1

Die SCOLÉ ist räumlich als eine Art Waldschule, analog zu den Waldkindergärten, geplant. Unser Schulkonzept sieht die ‚wilde Natur‘ als wesentlichen Pädagogen „Direkte Erfahrung in der Natur ist ursprüngliches Lernen“ .2

Durch das Sein in der Natur geht unser Bewusstsein mit der natürlichen Welt in Resonanz .

Die Psyche erkennt den Rhythmus der Veränderung, die Wiederkehr des Lichts am Morgen, das Dunkelwerden am Abend, wenn im Westen die Sonne verschwindet, das Aufsteigen der Sterne, den erneuten Morgen, das Kommen und Gehe der Tiere. Und in dieser wunderbaren Mischung aus menschlichem Bewusstsein und Natur entstehen neue Bilder der Erneuerung, die dem Menschen Antworten geben […] Es tauchen neue Fragen auf: ‚Was kann ich tun mit meinem Leben?‘ oder besser noch ‚Was kann ich lieben?‘3

Aus unmittelbar ganzkörperlichen und sinnlichen Erfahrungen werden zunächst Erinnerungen, dann Gedanken und Einsichten. Diesen Prozess hat biologische, physiologische und psychologische Grundlagen. Es entsteht eine innige, tiefe Beziehung zwischen Mensch und Natur, die wesentlich nachhaltiger ist als ein rein intellektueller Wissenserwerb über die Natur.

Es ist ein angenehmes Geschäft, die Natur und zugleich sich selber zu erforschen, weder ihr noch seinem Geist Gewalt anzutun, sondern beide durch gelinden Wechselfluss miteinander ins Gleichgewicht zu setzen.“ 4

Anders ausgedrückt: Das Sein und Bewegen in der freien, ‚wilden‘ Natur ist essenziell für eine gesunde menschliche Entwicklung. Studien zeigen z.B., dass Kinder draußen, in einer unstrukturierten Umgebung, kreativer spielen als drinnen. Zur Kreativität trägt möglicherweise bei, dass in der Natur so ziemlich alles als Spielzeug benutzt werden kann im Gegensatz zu vorgefertigten Spielsachen, die wenig Raum für Fantasie lassen. Der Wert von Naturerfahrung liegt zudem darin, dass Kinder hier ein hohes Maß an Freiheit empfinden und sich in ihrer Wirksamkeit erfahren können.

In seinem Buch „The last child in the woods“ (‚Das letzte Kind im Wald‘) prägt der amerikanische Journalist Robert Louv den Begriff der ‚Nature Deficit Disorder‘, des Natur-Defizit-Syndroms.

Das Natur-Defizit-Syndrom wird als das Phaenomen einer zunehmenden Entfremdung von der Natur bezeichnet: die Nichtkenntnis und das Nicht-mehr-Erleben natuerlicher Rhythmen und Erscheinungen sowie die sich aus dieser Entfremdung ergebenden Folgen, vor allem fuer Kinder und Jugendliche und deren Entwicklung, aber auch fuer Erwachsene und die Gesellschaft“ 2.

Wird das Band zwischen Mensch und Natur getrennt, kann es daher zu fundamentalen psychischen Störungen kommen.

Die Natur ist ein Spiegel der menschlichen Seele und zeigt uns, was in unserem Bewusstsein stattfindet. So wird auch die in der gegenwärtigen Denkweise unserer Gesellschaft verbreitete Ablehnung des Natürlichen durch den aktuellen Zustand der Erde gespiegelt „…weil wir uns [als Menschheit] von dieser Natur für eine Zeitlang distanzieren mussten, um unsere eigenen Gedanken zu entwickeln […] Heute ist das nicht mehr nötig“.5

Genauso wie die Beziehung zur eigenen Mutter wichtig ist für die soziale Bindungsfähigkeit, genauso ist die Beziehung zur Mutter Erde nötig für eine ökologische Bindungsfähigkeit. Nur so wird es auch in Zukunft Menschen geben, die sich für den Schutz der Umwelt einsetzen.

Die fortschrittliche Welt, in der wir leben, ignoriert das Bedürfnis nach einer Verbindung mit der Natur weitgehend. Leider wird das Terrain der Kindheit immer mehr von Technologie und dem drinnen vorherrschenden Tunnelblick dominiert … Elektronik lockt die Aufmerksamkeit der Kinder weg davon, mit Matsch zu spielen und Frösche zu fangen, unter Bäumen zu sitzen, über die Wolken zu sinnieren oder über die Geheimnisse der Tiere zu grübeln, die um sie herum leben.“ 3

Glücklicherweise erkennen immer mehr Eltern, Pädagogen, Psychologen und Autoren, „…wie wichtig es ist, das Bedürfnis und den Drang nach direkten Erfahrungen in freier Natur wieder zu einem grundlegenden Teil einer jeden Kindheit zu machen“.6

Sich auf innige und sinnerfüllte Weise mit der Natur zu verbinden, bedeutet gleichzeitig, sich mit dem eigenen natürlichen Selbst zu verbinden. Wer mit sich und der Natur verbunden ist, hat ein inniges, tiefes Bedürfnis die Natur, die „zweite Heimat“ beschützen zu wollen – nachhaltig.

1aus Manfred Spitzer ‚Einsamkeit‘, zitiert im Rubikon Magazin, „Wir sind Natur“

2 Evan McGown in: „Coyote Guide“, S. 8

3 Steven Foster in: Politik des Herzens, S. 185

4Goethe: Maxime und Reflexionen, S. 248

5 Prof. Dr. Gerd Binning in: Politik des Herzens, S. 140

6 „Coyote-Guide“, S. 9

 

Teenager bewegen vor allem drei Fragen:

  1.  Identität: Wer bin ich? Die Jugendlichen sind auf der Suche nach ihrer Identität und probieren auch verschiedene Identitäten aus.

  2.  Soziales: Wie/ Wer bist du? Wie pflege ich Beziehungen zu anderen? Was geht in meinen FreundInnen vor? Wie beginne ich Freundschaften und Pflege sie? Wie werde ich mehr als ein Freund/ eine Freundin? Wie gehe ich mit Konflikten um?

  3.  Welt: Wie ist die Welt? Wie verhalte ich mich in der realen Welt, der Welt der Erwachsenen? Was ist meine Aufgabe im Leben? Wie finden andere ihre Aufgaben?

Die bewusste ‚innere Arbeit‘ wird deshalb an der SCOLÉ ab der Mittelstufe angeboten, um den Jugendlichen bei ihren inneren Fragen konkrete Hilfestellung anbieten zu können. In Angeboten wie Achtsamkeit, Meditation, Konfliktlösungsprozesse, Gewaltfreie Kommunikation usw. können die SchülerInnen ‚innere Arbeit‘ üben.

Auf diese Weise konkretisiert sich unser ganzheitliches Konzept für die Jugendlichen auch in der Bejahung innerer Themen und dem Angebot, proaktiv mit ihnen umzugehen und einen bewussten und achtsamen Umgang mit Gefühlen zu pflegen.

Besonders jüngere Kinder lernen z.B. die Gewaltfreie Kommunikation sehr schnell, da sie noch nicht so sehr von ihren Gefühlen und Bedürfnissen getrennt sind. Generell liegt der Fokus in der Unterstufe aber hauptsächlich auf dem Schutz und der Raumgebung für die natürliche innere Stimme und den Impulsen, die von den Kindern selber kommen. Mit Beginn der Pubertät, wenn die Fragen nach der eigenen Identität, der Beziehung zum Anderen und der Welt ins Bewusstsein aufsteigen, werden wir Themen wie Achtsamkeit, GFK, Konfliktlösungsprozesse u.a. verstärkt aufgreifen und anbieten.

Die Erwachsenen sind Teil der Umgebung der Kinder und Jugendlichen. Dabei trägt die innere Haltung der Erwachsenen einen wesentlichen Teil zum Gelingen einer selbstbestimmten Entwicklung und Potenzialentfaltung von jungen Menschen bei. Der Erwachsene kann schnell unerwünschten Einfluss auf das Kind nehmen, sodass es daran gehindert wird, seine eigene innere Stimme hören und seinen eigenen Impulsen folgen zu können: „…in jeder Umgebung, sei sie nun liebevoll vorbereitet oder nicht, sind Erwachsene für Kinder die aktivste Gefahr, es sei denn, sie hätten sich entschieden, Entwicklungsprozesse zu erkennen und zu respektieren. Solch scheinbar gewagte Behauptung wird akzeptabel, wenn wir in Betracht ziehen, wie abhängig Kinder von der Liebe der Erwachsenen tatsächlich sind.“ 1
Viel kann verhindert werden mit der falschen, aber genau so viel kann ermöglicht werden mit der richtigen inneren Haltung. Der Grad dazwischen ist oft ein schmaler. Er erfordert von den Erwachsenen einerseits in jedem Augenblick Geistesgegenwart und Achtsamkeit, andererseits eine kontinuierliche Arbeit an sich selbst. Rudolf Steiner bringt dies auf den Punkt: „Jede Erziehung ist Selbsterziehung, und wir sind eigentlich als Lehrer und Erzieher nur die Umgebung des sich selbst erziehenden Kindes.“ 2

Als PädagogInnen sehen wir uns im Dienst an der Menschheitsentwicklung. Die LernbegleiterInnen haben „die Aufgaben des besonderen Zeitalters zu erkennen und so zu unterrichten, dass die Menschheit ihren Entwicklungsimpulsen in der Zukunft entsprechen kann.“ 3

Unsere LernbegleiterInnen pflegen auf der einen Seite eine kontinuierliche ‚innere Arbeit‘: sie erziehen sich selber und üben sich in Achtsamkeit und transparenter Kommunikation.
Andererseits studieren sie die spirituelle Entwicklungspsychologie, wie sie z.B. in der Allgemeinen Menschenkunde von Rudolf Steiner dargestellt wird. Sie arbeiten mit den anderen LernbegleiterInnen zusammen in einem offenen Vertrauensverhältnis wo sie sich selber reflektieren und gegenseitig spiegeln, Kinderbesprechungen durchführen und sich gegenseitig beratend zur Seite stehen.

1 Rebeca Wild: Freiheit und Grenzen – Liebe und Respekt, S. 19
2 Rudolf Steiner: Methodisch-Didaktisches
3 Rudolf Steiner: Methodisch-Didaktische

Die an unserer Schule praktizierten Lernformen entsprechen unserem Ansatz, Selbstbestimmung über Inhalte, Zeiteinteilung und Interaktionen zu gewährleisten. Sie tragen auch dem Umstand Rechnung, dass Menschen auf unterschiedliche Weise lernen:

  • soziales Lernen oder Lernen am Modell: dies geschieht durch Nachahmung von Erwachsenen und Kindern.

  • Lernen durch Erfahrungen mit der gegenständlichen Umwelt: über seine Sinne und viel Bewegung lernt das Kind die Welt kennen und verstehen. Durch ‚greifen‘ entsteht ‚be-greifen‘, z.B. von Formen, Größen, Materialien…

  • Lernen durch Angebote: das gelingt dann, wenn das Lernangebot dem Entwicklungsstand und dem Interesse des Kindes entspricht. Am besten in Form von Erfahrungsmöglichkeiten.

Die folgenden Lernformen sind werden in der Praxis miteinander verwoben.

 

Das freie Spiel

„Play in its rich variety is one of the highest achievements of the human species, alongside language, culture and technology. Indeed, without play, none of these other achievements would be possible.“ 1

Es gibt fünf verschiedene Arten von Spiel, nämlich das physische Spiel, das Spiel mit Objekten, das symbolische Spiel, das Schauspiel und das Spielen nach Regeln. Jede Art unterstützt eine Vielzahl von kognitiven und emotionalen Entwicklungsmöglichkeiten: idealerweise mischen sich die verschiedenen Spielformen. „Eines Tages bemerkte ich aber, wie bestimmte Kinder, denen ich seit sechs Jahren oder sogar länger beim Spielen zugesehen habe, sich plötzlich (so schien es mir) einer Arbeit ganz widmeten – mit der gleichen Hingabe wie ihrem Spiel. […] Ihnen fehlt in bemerkenswertem Maße das Talent für die Kunst des Ausweichens und Sichdrückens. Sie scheinen ihre Haltung von Spiel- und Spaßaktivitäten auf alle ihre Aktivitäten übertragen zu haben.2

Es gilt zu vermeiden, die Tätigkeiten der Kinder zu bewerten. Unser Ziel ist eine wertungsfreie Würdigung jeder vom Kind ausgehenden Aktivität. In diesem Sinne unterscheiden wir nicht zwischen Spielen und Lernen. Das kleinere Kind lernt durch das klassische Spielen. Dieses Kinderspiel geht mit zunehmendem Alter über in ein Lernen das, solange es intrinsisch motiviert ist, immer ein spielerisches Element behält.

 

Natürliches Lehren: Coyote-Teaching (Lernangebote)

Das Coyote-Teaching kommt aus der Wildnispädagogik.

Im „Coyote-Teaching“ haben wir eine Charakterisierung der von uns angestrebten Art und Weise, Lernangebote zu machen, gefunden. Grundlegend ist die Erkenntnis, dass „…die ideale Unterstützung darin besteht, dass der Lehrer das Umfeld der Kinder so gestaltet und sie in ihren Aktivitäten so unterstützt, dass sie selbstständig zu Erfahrungen und neuen Einsichten kommen können. Das Kind sollte das Gefühl haben: ‚Ich habe es allein geschafft‘. Eltern und Lehrer sollten sich so weit wie möglich zurücknehmen. Die Bereitschaft mancher Kinder, sich unterweisen zu lassen, ist erstaunlich groß, und damit besteht auch die Gefahr, dass diese missbraucht wird und die Lust am Lernen verloren geht.“ 3

Im Coyote-Teaching wird der Mentor angehalten, die Mentalität des allwissenden Lehrers abzulegen und die Natur (und die Kinder; unsere Ergänzung) wieder mit frischen Augen zu sehen. Es wird als „die älteste Art des Seins, Lernens und Verbindens mit der Natur“ bezeichnet. „Als Mentor stellen wir unsere Strategie völlig auf die andere Person ein. Es geht nicht darum, auf den eigenen Erwartungen und Absichten herumzureiten. Wir müssen voll und ganz präsent sein für die Person, die wir in diesem Moment betreuen. Wir helfen ihr, indem wir Fragen stellen, die ihre Unabhängigkeit nähren und sie zu mehr Selbstständigkeit führen. Mit der Zeit deckt das Mentoring die Gabe der Kreativität und Kraft auf, die in jedem Menschen schlummert… Das Coyote-Mentoring ist auf Spontanität und Improvisation angewiesen“ (Coyote-Guide).

Jon Young beschreibt sehr anschaulich, wie er seinen eigenen Mentor erlebt hat, eine sehr treffende Beschreibung des von uns angestrebten Ansatzes: „Tom gab wirklich niemals eine Antwort. Stattdessen erzählte er interessante Geschichten. Er begegnete mir an meinen Grenzen und stellte geniale, inspirierende Fragen… In schwierigen Zeiten half er mir, meine Wertschätzung für Landschaft, Ökologie und die Überlebenskünste zu vertiefen; er stärkte meinen Mut, meine Kreativität und meine Fähigkeit, Geschichten zu erzählen – und letztendlich entzündete er meine Leidenschaft für das Lernen und das Leben“ (Coyote-Guide).

Diese Art des Lehrens nennen wir ’natürliches Lehren‘: Wertschätzend, achtsam, stärkend, inspirierend, künstlerisch-offenlassend. Durch das natürliche Lehren wird es möglich, die SchülerInnen auf immer neue ‚Entdeckungsreisen in alle Himmelsrichtungen‘ zu schicken und so für sie lebendige, mitwachsende Begriffe entstehen zu lassen.

 

Lebendige Begriffe

Die Bezeichnung „lebendige Begriffe“ oder „Begriffe die mitwachsen können“, entstammt der Waldorfpädagogik. Dabei geht es darum, dass Definitionen am Ende eines Lernprozesses stehen – wenn überhaupt. Es geht darum, die Wesenheit und Ganzheit eines Lerngegenstandes zu erfassen. So kann z.B. erfahren werden, dass das Wasser einerseits eine große Kraft hat, wie in dem Märchen „Das Wasser des Lebens“ beschrieben, und andererseits sich beschreiben lässt in der Formel H²O. Beides ist richtig, aber immer noch nicht vollständig. Wir können noch auf Strömungsgesetzmäßigkeiten schauen, Steigbilder und Kristallisationsversuche, Ebbe und Flut und vieles mehr und werden erkennen, wie weit und tief das Wesen „Wasser“ ist. Auf diese Weise erfahren die SuS, dass sie nicht ‚fertig‘ sind wenn sie eine Antwort bekommen haben, sondern dass es noch viel mehr gibt und dass der Raum viel größer ist, als oft behauptet wird.

Auf solche Weise wird Wissen lebendig, statt intellektuell-abstrakt von seinem Sinn entfremdet und aus seinem Zusammenhang gerissenes zu werden. Lebendiges Wissen, offene Fragen, sinnvolle Zusammenhänge und künstlerisches Bearbeiten von Themen wirkt innerlich bereichernd und hat eine ganzheitliche und nachhaltige pädagogische Wirkung.

 

Projekte, Arbeitsgruppen, Forschungsgruppen

Ihrem eigenen Interesse folgend, können sich die SchülerInnen zu Projekt-, Arbeits- und Forschungsgruppen zusammen finden. Impulse aus dem Leben (z.B. der Umgebung, von Zuhause, aus dem freien Spiel oder durch Ausflüge) können so aufgenommen und vertieft werden. Wenn sie möchten, holen sie sich eine Lernbegleitung dazu. Selbstbestimmt können sie so ihr Projekt umsetzen. Dabei lernen sie zusammen und voneinander. Verschiedene Fähigkeiten und Wissensstände können so individuell eingestreut bzw. verbessert werden. Lücken im Wissen und Können werden durch das Erleben anderer erfahren und können gefüllt werden.

Projekte sind eine Arbeitsform, bei der Theorie und Praxis Hand in Hand gehen. Sie bieten so wohl fächerübergreifende Lernmöglichkeiten im kognitiven Bereich, als auch zahlreiche Möglichkeiten für soziales Lernen. Ein Projekt bietet eine komplexe Lernsituation, die selbstbestimmtes, intrinsisch motiviertes Lernen und Lernen in Gemeinschaft verbindet.

 

Kurse

Kurse folgen einem wöchentlichen Rhythmus und beschäftigen sich mit einem Thema (z.B. ein Schwimmkurs, Lernen von Kulturtechniken etc.). Kurse werden dann etabliert, wenn sie von den SchülerInnen gewünscht werden, und wieder abgeschafft, wenn kein Interesse oder Bedarf mehr an ihnen besteht. Wünschen sich SchülerInnen einen Kurs, dann können sie sich eine/n LernbegleiterIn und weitere am Kurs Interessierte suchen und mit ihnen zusammen beschließen, wann und wie lange dieser Kurs laufen soll. Ausgangspunkt ist auch hier, sich nach den Bedürfnissen und Interessen der Kinder und Jugendlichen zu richten.

 

Workshops/ Experten

Zusätzlich zu den festangestellten LehrerInnen laden wir verschiedene Menschen für Workshops ein, die z.B. ein (Kunst-)Handwerk beherrschen oder andere Fähigkeiten haben, die für die Kinder von Interesse sind. Auf diese Weise können wir den SchülerInnen ein noch größeres Angebot an Themen bieten. 

 

Außerschulische Lernorte

 Das gemeinsame Leben und Arbeiten, Lernen und Spielen geschieht nicht nur innerhalb unserer Schule, sondern soll auch ‚hinaus in die Welt‘, ins reale Leben gehen, in Form von „Schnuppertagen“, Praktika, Exkursionen und Ausflügen etc. (z.B: in Museen):

 

Exkursionen und Reisen

‚Lernen in der Welt‘ und ‚aus dem Leben‘ wollen wir durch Exkursionen fördern. Je nach Interesse der SchülerInnen geht es auf Museums- oder Theaterbesuche, Wanderungen, Bauernhöfe, in Altenheime und zu vielen anderen Lernorten in der näheren oder ferneren Umgebung. Die organisatorische und finanzielle Vorbereitung der Exkursion oder Reise wird so weit wie möglich von den SchülerInnen selbst organisiert und bietet für sich allein schon ein großes Lernfeld.

Praktika

Eine weitere Möglichkeit des ‚Lernens durch Vorbilder‘, ‚Lernen im Leben‘, sowie berufliche Orientierung, bieten Praktika. Hat ein/e SchülerIn Interesse, einen bestimmten Beruf genauer und über einen längeren Zeitraum praktisch kennen zu lernen, organisiert er oder sie sich einen Praktikumsplatz und sucht sich einen Mentor/eine Mentorin, die das Praktikum von Schulseite her aus der Ferne (oder auch durch einen Besuch) begleitet und für Fragen, Probleme und reflektierende Gespräche zur Verfügung steht.

Für einen kurzen, ca. eintägigen Einblick, können auch „Schnuppertage“ durchgeführt werden.

 

1Dr David Whitebread April (2012) „The importance of play“, University of Cambridge

2Hannah Greenberg, in: Die Sudbury Valley School

3 Remo Largo: „Schülerjahre“

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Montag

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

7:45 – 9:00

Ankommen und Freie Zeit

9:00 Uhr

Morgenkreis

9:30 Uhr

Freie Zeit

Kurse, Workshops, etc.; ein mal wöchentlicher Schulkreis;

 

12:00 – 12:30

Geschichten des Tages“ (Abschlusskreis für Grundstufe)

Offene Bühne“

(Wochenabschluss)

12:00 Uhr

Dienste

12:30 Uhr

Gemeinsames Mittagessen

13 – 16 Uhr

Freie Zeit für Sek I

Kurse, Workshops etc.

Das Medienkonzept der SCOLÉ wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Paula Bleckmann, Professorin für Medienpädagogik, und ihrem Team an der Alanus Hochschule erarbeitet. Es beruht auf dem von Paula Bleckmann entwickelten entwicklungsphasenabhängigen TURM DER MEDIENMÜNDIGKEIT2.

Der „Turm der Medienmündigkeit“ ist einem Modell, das einen passenden theoretischen Rahmen und eine langfristige Perspektive bietet, indem es die unmittelbare Weltbegegnung mit allen Sinnen und den direkten Kontakt mit anderen Menschen als unverzichtbare Basis für den späteres mündigen Umgang mit digitalen Medien veranschaulicht und den allmählichen und entwicklungsphasenabhängigen Erwerb der MEDIENMÜNDIGKEIT beschreibt.

Medienkompetenz „…reicht heute nicht mehr aus, denn sie schützt Menschen nicht vor der Vereinnahmung als Maschinensklaven.“3

Damit Medienbildung nachhaltig wird, muss sie sowohl Vorbeugen gegen Digital-Risiken, als auch die langfristige Befähigung zur Nutzung digitaler Chancen beinhalten, „…denn neben den großen Chancen und Potenzialen, die eine zunehmende Digitalisierung für einige Bereiche der Lebens-, Arbeits- und Lernwelt birgt, mehren sich auch Forschungsbefunde über Risiken und Gefahren.“4 Stichworte sind: Schlafstörungen, Kurzsichtigkeit, Empathie-Verlust, Konzentrationsstörungen, Korruption des Belohnungssystems, Sprechentwicklungsverzögerungen, schlechte Schulleistungen, Cybermobbing, Computerspielsucht etc..

Die Synthese von Salutogenese (Suchtprävention) und Medienkompetenzförderung, wird unter dem Begriff der MEDIENMÜNDIGKEIT zusammengefasst.

Ziel der Medienmündigkeit ist

  • die Prävention von Abhängigkeit

  • den selbstbestimmte und zeit-souveräne Umgang mit Medien,

  • das Erlangen von Fähigkeiten zur aktiven, kreativen, dosierten, kritisch-reflektierten und technisch versierten Nutzung für den Zeitanteil, der dann mit dem Bildschirm verbracht wird.

Medienmündig kann nur sein, wer seine eigenen langfristigen Ziele und Bedürfnisse kennt, wer die unterschiedlichen Medien mit ihren Chancen und Risiken, mit ihren Potentialen zur Befriedigung dieser Bedürfnisse einschätzen und diese Überlegungen und Erwägungen in Entscheidungen und Handlungen im Alltag umsetzen kann. Damit kann dann medienmündig genannt werden, wer sich überall dort für nicht mediale Handlungsalternativen entscheidet, wo das Un-Vermittelte, wo das echte Leben zur Erreichung seiner persönlichen Ziele besser geeignet ist.“5

Sensomotorische Integration

Auf der ersten Stufe, geschieht die Zusammenführung von Sinneseindrücken (Sensorik) und Bewegung (Motorik). Hier werden die klassischen fünf Sinne Hören, Sehen, Riechen, Schmecken und Fühlen entwickelt, sowie der Eigenbewegungssinn, der Gleichgewichtssinn und der Drehsinn. Diese sensomotorische Integration wird am besten im Leben und durch viel Bewegung entwickelt.

Die SCOLÉ biete darum eine Umgebung, die reich ist an Sinneserfahrungen, allem voran die Natur, welche die SuS täglich sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen können und in der sie sich viel bewegen können – ein optimales Umfeld für die sensomotorische Integration.

Kommunikationsfähigkeit

Im zweiten Stockwerk wird die Fähigkeit geübt, andere Menschen wahrzunehmen und sich mit ihnen zu verständigen. Kommunikationsfähigkeit erlangt man nur im unmittelbaren Miteinander mit anderen Menschen. Ohne Kontakt zu anderen Menschen verkümmert der Mensch.

An der SCOLÉ betonen wir daher, dass das selbstbestimmte Spielen und Lernen in Gemeinschaft geschieht. Auf diese Weise ist Kommunikation, ob durch Sprechen, Zuhören, Lesen oder Schreiben, IMMER Teil jeder Tätigkeit. Beim gemeinsamen Spielen und Lernen muss immer verhandelt, erklärt, gefragt, geklärt, erzählt und zugehört werden. Zusätzlich legen wir an der SCOLÉ wert auf eine besondere Kultur des Miteinanders und üben uns in einem achtsamen Umgang mit unseren Mitmenschen und uns selbst, sowie einer wertschätzenden und gewaltfreien Kommunikation. Kommunikation nach innen sowie nach außen sind ein wesentlicher Teil unseres Konzepts.

Produktionsfähigkeit

Um die eigene Gestaltungskraft, die Kreativität zu fördern, braucht es eigentlich nicht viel. Sie entstehen überall dort im Leben, wo dazu Freiräume und Muße sind. Jedes weiße Blatt kann ein Kunstwerk werden, jedes Stöckchen ein Schwert, ein Werkzeug oder Instrument für ein Trommelkonzert. Jede Geschichte kann in ein Theaterstück verwandelt werden, jeder Korb Äpfel in einen Apfelkuchen usw. Für vielseitige Anregung sorgen an der SCOLÉ sog. „ sinnvoll tätige Erwachsene“, z.B. Handwerker und Künstler, die sich mit Freude und Hingabe handwerklich und künstlerisch betätigen und die SuS an dieser unmittelbar, praktischer und kreativen Arbeit teilhaben lassen. Auf spätere Medienmündigkeit bezogen kann sich diese unmittelbare Kreativität im Schreiben von Briefen wiederfinden, im Dosentelefon fürs Handy, das Kasperletheater, die Laterna magica oder das Daumentheater als Vorübung für späteres Filmen.

Rezeptionsfähigkeit

Durch unsere produktionsorientierte Medienpädagogik wird auch die Rezeptionsfähigkeit geschult. Die Erfahrungen und das Wissen, das während eines solchen kreativen Prozesses gesammelt wird, führen zu einer aktiven und bewussten Betrachtung der ‚Produkte‘, ob es nun Werkstücke und Kunstwerke, Texte, Theaterstück oder später selbst gedrehte Filme sind. Wer sich selbst mit Dingen aktiv-kreativ beschäftigt, erfährt unmittelbar worin die Herausforderungen liegen und wird daher besonders aufmerksam schauen, wie sie (von anderen) gelöst wurden.

Kritische Reflexionsfähigkeit

Kritische Reflexionsfähigkeit „…bedeutet auf das eigene Medienverhalten, aber auch auf das Verhalten der ganzen Gesellschaft wie ‚von außen‘ zu schauen, es zu betrachten und einzuschätzen, zu einem Urteil zu kommen und daraus Konsequenzen für die eigenen Handlungen zu ziehen. Eben zu re-flektieren. Dazu ist ein Kind noch nicht in der Lage; ein Jugendlicher entwickelt diese Fähigkeiten Stück für Stück, aber auch der Erwachsene lernt in puncto kritische Reflexion nie aus.“6

Medienkunde ist daher entwicklungsbedingt der oberste Stein auf dem Medienturm. Theoretische Information über Medien und ihre Auswirkungen, sowie die Psychologie der Masse, die biologischen Effekte (z.B. von Subbassfrequenzen auf das Zwerchfell und die Adrenalinausschüttung um wachzuhalten) sind wichtige Themen, worauf junge Menschen ab der ‚Oberstufe‘ in Schule und Elternhaus aufmerksam gemacht werden sollten.

Selektionsfähigkeit

Selektionsfähigkeit meint eine wirkliche Wahl zu haben, nicht nur einen Produkt- sondern einen Systemvergleich anstellen zu können. Es geht darum, die eigenen Bedürfnisse zu kennen und zu einer bewussten Entscheidung für das Nutzen von Medien oder für das echte Leben treffen zu können, d.h. Handlungsalternativen ohne Medien zu kennen. Möchte ich mich entspannen, habe ich die freie Wahl spazieren zu gehen, ein Buch zu lesen etc. und nicht nur den Fernseher einzuschalten. Wünsche ich sozialen Kontakt kann ich jemanden anrufen oder besuchen gehen und muss nicht in den sog. ’sozialen Medien‘ einen Ersatz suchen. „Medienmündig ist, wer die Entscheidung, was er mit den Medien macht und was lieber ohne Medien, auf dem Wissen darüber aufbaut, was die Medien langfristig mit Menschen machen, die etwas mit Medien machen.“7

 

 

2https://www.alanus.edu/de/hochschule/menschen/detail/paula-bleckmann

3Paula Bleckmann, S. 17

4https://www.alanus.edu/de/forschung-kunst/wissenschaftliche-kuenstlerische-projekte/detail/medienerziehung-an-reformpaedagogischen-bildungseinrichtungen

5Paula Bleckmann, S. 34

6Paula Bleckmann, S. 101

7Paula Bleckmann, S. 107

Unser ganzheitliches Konzept ist Ausdruck unseres Welt- und Menschenbildes und sieht die emotionalen, intuitiven und spirituellen Aspekte als wertvolle Lebensbereiche.

„Was bedeutet ’spirituell‘? Je mehr wir von unserem Gehirn einschalten, je mehr Antennen wir justieren, desto stärker wird unser Gespür für die Schwingungen der Lebenskraft um uns herum.“ 1

Um den Menschen in dieser Ganzheit noch besser verstehen zu können, hilft den LernbegleiterInnen die „Allgemeine Menschenkunde“ („spirituelle Entwicklungspsychologie“) von Rudolf Steiner. 
Unser ganzheitlicher Ansatz wird zudem noch um das Element der Natur-/Wald-/Wildnispädagogik vervollständigt, denn Gesundheit, Spiritualität und ein ganzheitliches Erleben von sich selbst und der Welt kann nur in Verbindung mit der Natur gelingen.

1 Jon Young in „Coyote-Guide“

Konzeptionell kommt unserem Raumkonzept eine große Bedeutung zu. Die Räume sind nicht nur gemütlich-familiär eingerichtet, sondern erfüllen auch eine Vielzahl anderer Ansprüche. 

  •  ästhetisch: die Sinne wohltuend-ansprechend (visuell, akustisch)

  •  gesund: ökologisch, strahlungsarm

  •  nachhaltig: mit erneuerbarer Energien – geschlossene, nachvollziehbare Kreisläufe

  •  naturnah: die Jahreszeiten und der Lauf der Sonne sind verfolgbar

  •  fließender Übergang zwischen drinnen und draußen

  •  dörfliche Struktur

  •  organisch mit der Schule mitwachsend

  •  flexibel: für verschiedene Lernsituationen anpassbar

In den Räumen laden verschieden gestaltete und eingerichtete Ecken/ „Ateliers“ (C. Freinet) die SchülerInnen zum selbstständigen Tätigwerden ein (z.B. Ecke für Kulturtechniken, didaktisches Material, Werkstatt, Kunst, ein Bücher- und Leseecke/ Ruheraum, Musikraum, Theaterraum etc.). Das offen zugängliche Material ermöglicht den SchülerInnen, sich selbstbestimmt zu betätigen.

Wir entwickeln dafür ein bisher einzigartiges „Grundstück- und Raumkonzept“, das unser pädagogisches und organisatorisches Konzept vervollständigt. Dafür planen wir langfristig die nachhaltigen LivingCircles von der gleichnamigen Firma. Für die Übergangszeit und bis wir den Bau finanzieren können, fangen wir voraussichtlich erstmal in einem Bauwagen o.ä. an.

Wir laden unsere SchülerInnen zur Mitgestaltung an der Schule ein.
Wir treffen uns im Kreis, der Urform alles Lebendigen. Ein Redestab geht reihum und gibt jedem die Möglichkeit sich zu äußern, während die anderen Kreisteilnehmer nur zuhören. Der Schatz dieses Ansatzes ist: alle sind gleichwertig, jeder trägt Verantwortung, jeder hat ein Mitspracherecht; es gibt keine Gewinner und keine Verlierer. Jeder kann seine Meinung äußern und ändern, ohne sein Gesicht zu verlieren. Es geht nicht um den Einzelnen, sondern jeder trägt zum ‚Großen Ganzen‘ bei. Die SchülerInnen und LernbegleiterInnen lernen Zuhören, Reflektieren und verschiedenen Perspektiven und Meinungen zusammenzubringen – zum Wohle der Gemeinschaft.

Am Ende haben alle einmütig zu der Entscheidung beigetragen und ihr ‚Ja‘ dazu gegeben. Dies bedeutet, dass nicht jeder unbedingt der gleichen Meinung sein muss, aber man ist bereit, seine Meinung zurückzustellen, zu einer Einigung beizutragen und eine Entscheidung (evtl. vorläufig/ auf Probe) mitzutragen. Wie in allen anderen Kreisen an und um die Schule herum wird daher auch der wöchentliche „Schulkreis“ – bestehend aus SchülerInnen und LernbegleiterInnen – in ‚Runden‘ und nach dem ‚Konsentprinzip‚ (Kein-Einwand-Prinzip) abgehalten.

Um nicht nur dem Biorhythmus, sondern auch den unterschiedlichen Familienrhythmen entgegenzukommen sowie das selbstbestimmte Lernen im eigenen inneren Rhythmus zu ermöglichen, bieten wir Gleitzeit an (soweit wir die dafür notwendigen personellen und finanziellen Kapazitäten haben).

 Innerhalb des Tages gibt es für die SchülerInnen eine ‚Kernzeit‘, die nach einer Gleitzeit am Morgen mit einem gemeinsamen Morgenkreis beginnt und mit einer Gleitzeit zum Nachmittag hin endet. Während dieser ‚Kernzeit‘ sind festangestellte LernbegleiterInnen verantwortlich da. Nach dieser Zeit wünschen wir uns für die Zukunft, dass unser ‚Lebensraum‘ auch am Nachmittag und Abend lebendig ist.

Es ist für das Gelingen unserer Lernform von entscheidender Bedeutung, dass Eltern diesen Ansatz auch zu Hause leben und üben. Nur mit Vertrauen in die angeborenen Fähigkeiten der Kinder, dem Bewusstsein und dem feinen Gespür dafür, wo man evtl. die Grenzen der Kinder mit unnötigen Erklärungen und Vorgaben zu überschreiten droht, kann es gelingen.

Eltern brauchen den unbedingten Willen, sich immer wieder darin zu üben, dem Kind seinen (inneren) Raum zu lassen, es seine eigene Impulse spüren zu lassen und ihm zu ermöglichen diesen nachzugehen. Es wird immer wieder viel Vertrauen und Geduld brauchen auszuhalten, wenn das eigene Kind erst mal lieber ’nur auf Bäume klettert‘ anstatt z.B. lesen zu lernen. Gerät das Kind oder der/die Jugendliche durch widersprüchliche Ansätze in ein Spannungsfeld zwischen Schule und Elternhaus, so schadet ihm das.

 „Es erfordert nämlich Mut, darauf zu vertrauen, dass Kinder, denen erlaubt wird, ihre Schulzeit ohne die Führung durch einen vorgeschriebenen Lehrplan zu verbringen, letztendlich in der Lage sein werden, in die Welt der Erwachsenen einzutreten, in ihr mitzuwirken und erfolgreich zu sein. Die Wahrheit ist, … dass ich oft wirklich nicht genau weiß wie wir es eigentlich zu unseren Erfolgen bringen.“ 1

Wir wünschen uns einen offenen und regelmäßigen Austausch sowie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eltern. 

Darüber hinaus sind Elternherzlich dazu eingeladen, den Alltag der Schule im Sinne des Konzepts mitzugestalten, indem sie beispielsweise Workshops anbieten, sich auf dem Schulgelände oder im Haus betätigen, Feste mitgestalten, Öffentlichkeitsarbeit leisten oder evtl. Bereiche des Schullebens übernehmen (z.B. die Küche, Verwaltung oder Reinigung).

Es ist uns wichtig, dass Eltern von sich aus regelmäßig den Kontakt zur Schule suchen und sich bei den verschiedenen Aufgaben einbringen. Kinder sollen nicht einfach ‚abgegeben‘ werden, sondern wir wollen als Gemeinschaft zusammen lernen, arbeiten und feiern. 

Der Schulträger bietet zudem „Erwachsenenbildung“ an, damit auch große Menschen ‚innere Arbeit‘ üben können.

1 Hannah Greenberg

REIN: Andere freie alternative Schulen haben die Erfahrung gemacht, dass Kinder, die schon in einer ’normalen Schule‘ (inkl. Waldorf) waren, von äußeren Impulsen abhängig wurden und sich deshalb sehr schwer und mit großem Aufwand aller Beteiligten, wieder auf ihre innere Motivation zu besinnen vermochten. Ein direkter Einstieg ab der 1. Klasse ist deshalb für die Zukunft wünschenswert.
Wir schauen aber immer auf die individuelle Familie. Besonders zum Start der Schule werden wir Schüler aller Stufen aufnehmen, da es auch schon einige ältere Schüler gibt, die sehnlichst auf unsere Schule warten.

RAUS: Wir verzichten mit Absicht auf einen Lehrplan, der vorschreibt, was alle Kinder eines Alters zur gleichen Zeit lernen sollen. Daher wird ein Wechsel von unserer Schule auf eine staatliche, rechtzeitig vorbereitet werden müssen und nicht ohne Arbeitsaufwand möglich sein. Frei lernende Kinder haben ihren eigenen Rhythmus und das bedeuten, dass keine zwei Kinder je den ’selben Stand‘ haben werden wie das an anderen Schule durch den von außen/oben vorgegebenen Lehrplan der Fall ist. Es ist deswegen davon abzuraten in den ersten drei Jahren einen Schulwechsel vorzunehmen. Generell gilt, je später desto einfacher wird es für das Kind sein. Die LernbegleiterInnen kennen den Lehrplan von BW und können im Falle eines Schulwechsels, den SchülerInnen helfen, sich an den jeweiligen Leistungsstand ihrer Altersklasse einer staatlichen Schule anzupassen.

Als (bald) genehmigte Ersatzschule können wir keine Prüfungen abnehmen. Unsere LernbegleiterInnen kennen jedoch den Lehrplan von BW und begleiten und unterstützen unsere SchülerInnen in der Vorbereitung auf externe Prüfungen.

Da wir als Schule in freier Trägerschaft erst nach drei Jahren und dann nur ca. 80% der Kosten vom Staat bezuschusst bekommen, werden wir ein Schulgeld erheben müssen. Wie und wie hoch dies sein wird, werden wir noch ausarbeiten.

  •  Brena,  Ariane: „Lernbegleitung als Kultur. In Beziehungen wachsen.“ tologo verlag
  • Hüter, Michael: Kindheit 6.7: Ein Manifest  (https://www.youtube.com/watch?v=TbBgyh_dlt0)
  • Hüther, Gerald: „Mit Freude lernen ein Leben lang“  (dazu interessant: KenFM im Gespräch mit: Gerald Hüther („Mit Freude lernen“) auf Youtube 
  • Institut für soziale Dreigliederung: „Rudolf Steiner: Was ist eine ‚freie‘ Schule?“ 
  • Kriesel, Nicola und Kasiske, Jan: „Schätze bergen. Alltag in Freien Alternativschulen“
  • Laloux, Frederic: „Reinventing Organizations“
  • Largo, H. Remo: „Schülerjahre“, PIPER Verlag, 2010
  • Lembke, Gerald; Leipner, Ingo: „Die Lüge der digitalen Bildung: Warum unsere Kinder das Lernen verlernen“, Redline Verlag, 2018 
  • Mintz, Jerry : Keine Hausaufgaben und den ganzen Tag Pause
  • Montessori, Maria: Kinder sind anders
  • Rasfeld, Margret: Schulen im Aufbruch 
  • (dazu interessant: KenFM im Gespräch mit: Margret Rasfeld („Schulen im Aufbruch“) auf Youtube) 
  • Renz-Polster, Herbert; Hüther, Gerald: Wie Kinder heute wachsen. Natur als Entwicklungsraum. 
  • Rosenbrand, Bras; Kraus, Lena: „Roundspeak Meetings; Wie effektive Meetings gelingen“, tologo Verlag, 2017
  • Stern, André: „Und ich war nie in der Schule 
  • The Sudbury Valley School Press: „Die Sudbury Valley Schule. Eine neue Sicht auf das Lernen“
  • Valentin, Lienhard : Mit Kindern neue Wege gehen“
  • Wild, Rebeca: „Mit Kindern wachsen“ 
  • Wild, Rebeca: „Mit Kindern Leben lernen. Erziehung zum Sein“ 
  • Wild, Rebeca: Freiheit und Grenzen – Liebe und Respekt
  •  Young, Jon; Mcgown, Evan; Haas, Ellen: „Handbuch für Mentoren. Mit dem Coyote-Guide zu einer tieferen Verbindung zur Natur: Grundlagen der Wildnispädagogik“, 2014

Filme:
„Schools of Trust“ (frei auf Youtube)
Alphabet
www.filmsforaction.org/watch/schooling-the-world-2010 
„Freistunde“ 
„CaraBa“